Sanssouci & ganz Potsdam einmal ländlich


Entdecken Sie holländische Gartenkunst und Streuobstwiesen mit UNESCO-Weltkulturerbestatus sowie Schafe vor den Tempeln der Hochkultur.

Wo einem König Kartoffeln auf das Grab gelegt werden und eine Mühle hinter dem Weinberg klappert, ist man bereits mitten in der ländlichen Idylle der Landeshauptstadt Potsdam.

Übrigens nicht alle Landwirtschaft und Gartenbaukunst ist in Potsdam museal; gut 30 Betriebe „beackern“ in den Stadtgrenzen Potsdams Felder, Obstplantagen und Gärtnereien.

Weinberg & Mühle / Foto: © SPSG Reinhardt & Sommer


Schafe gucken im Frühling, Sommer & Herbst

Schafe in den Parkanlagen / Foto: © SPSG Nicole Romberg

Die Herde im Park Sanssouci wird täglich von einem Schäfer betreut und ist zu unterschiedlichen Terminen im Jahr an verschiedenen Standorten beim „Rasenmähen“ zu beobachten. Die Schlösserstiftung bittet die Besucher, die mit mobilen Elektrozäunen eingefassten Weiden nicht zu betreten und Hunde im gesamten Schlosspark an der Leine zu führen.

Guteschafe, bekannter als Gotlandschafe, in ihrer Heimat Schweden Gutefår genannt, sind eine der ältesten, europäischen Hausschafrassen. Nach Brandenburg bzw. Berlin gelangten sie einst auf Anregung von Professor Dathe, damals Direktor des Berliner Tierpark. Am 19.4.1958 wurden ein Bock und 3 Mutterschafe aus dem Stockholmer Zoo in den Berliner Tierpark und am 15.11.1974 gehörnte Tiere aus dem Tiergarten Koharde (Schweden) in die DDR importiert. Die Nachzuchten entwickelten sich prächtig und wurden u.a. für die Landschaftspflege auf die Ostseeinsel Börne/Werder vor Rügen gebracht. Sie sind züchterisch die Basis des Gotlandschafbestandes in Deutschland. Die Tiere sind robust und genügsam, daher werden sie gern in Naturschutzgebieten eingesetzt. Wichtiger für ihre Rolle in den Potsdamer Parkanlagen sind aber eventuell ihre Neugierige und ihre entspannte Art im Kontakt mit Menschen.


Ceres (Demeter) im Halbrondell am Neuen Palais Potsdam, Bildhauer Francesco oder Alessandro / Foto: © SPSG Andre Stiebitz

Götter, Hirten & Bauern

Die griechische Göttin des Ackerbaus, Demeter (römisch Ceres), ist in vielfacher Gestalt in den Parkanlagen Potsdams anzutreffen – genau so, wie der Gott des Weines: Dionysos (römisch Bachus).

Zum Skulpturenprogramm in den Gartenanlagen gehören auch zahlreiche bildhauerische Darstellungen von Menschen mit Ackerbau- und Gartengeräten, so etwa vor der Orangerie.

Hinweis: Fast alle Statuen sind im Winter zum Schutz vor Frost eingehaust.


Kartoffeln für den König

Grab: Friedrich der Große / Foto © : SPSG

Zu jeder Jahreszeit legen dem König Friedrich II., seit seiner Bestattung hier, am 17. August 1991, Besucher regelmäßig und zu jeder Jahreszeit Kartoffeln auf die Grabplatte. Eine moderne Tradition ist entstanden. Er machte sich um sein Land auch verdient, weil er die Kartoffel in Preußen einführte. Steht man vor dem Weinbergsschloss, den Rücken der Stadt Potsdam, zugewand, so befindet sich rechterhand die Grablege des Königs.

Rund um die Einführung der Kartoffel im Land gibt es nette Legenden, eine besagt das Folgende: Um seine Untertanen davon zu überzeugen, dass Kartoffeln doch etwas Feines wären, griff Friedrich II. zu einer List. Er ließ die Kartoffeln auf den königlichen Gütern anpflanzen und von Soldaten bewachen. Wenn Bauern aus der Umgebung die Soldaten fragten, was diese dort beschützten, wurde ihnen erklärt, dass sie die wertvollen Knollen für die königliche Tafel zu bewachen seien und sie jeden Diebstahl zu verhindern hätten. Daraufhin hätten sich die Bauern nächtens auf die Felder geschlichen, um die Saatkartoffeln zu stehlen und sie auf den eigenen Äckern anzubauen. … Die Soldaten sollen dabei pflichterfüllend in eine andere Richtung geschaut haben …

Übrigens liegen neben Friedrich seine Lieblingswindspiele, aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.


Die Mühle am Schloss

Die Mühle inmitten der Schlossanlagen / Foto ©: H.Klementz

Mit der Mühle verbindet sich eine der populärsten Entstehungsgeschichten rund um das Schloss auf dem Weinberg: Als es Friedrich bauen ließ und die Parkanlage anlegte, war ihm die Mühle im Weg. Der Standort der Mühle war eigentlich schon anderweitig baulich verplant. Der König habe den Müller einbestellt und ihm den Abkauf der Mühle und auch den Bau einer neuen Mühle, an anderer Stelle versprochen. Dieser jedoch habe das Angebot abgelehnt. Daraufhin soll der König gesagt haben, ob dem Müller bewusst sei, dass er als König die Mühle auch einfach beschlagnahmen könne. Der Müller drohte seinerseits mit dem Berliner Kammergericht. Der König, ob dieses Vertrauens in seine Gerichtsbarkeit beeindruckt, habe dem Müller daraufhin die Mühle gelassen.

Wahr ist, Friedrich paßte die Mühle zu seiner romantischen Kulisse und er entschädigte den Müller, weil der Wind durch die Bauten des Schlosses und der gepflanzten Bäume nicht mehr zum ergiebigen Mühlbetrieb ausreichte …


Tipp: Jedes Jahr an Pfingstmontag ist Deutscher Mühlentag. Sie können diese und viele weitere Mühlen besuchen.


Historische Mühlentechnik in der Mühle zu Sanssouci / Foto: © SPSG Hans-Werner Mihan

Mühlenmuseum & Mühlenvereinigung

Foto: © SPSG Hans Bach

Gleich neben dem heutigen Besucherzentrum zu den Parkanlagen steht unübersichtlich eine Mühle. Sie ist wohl eine der bakanntesten in Deutschland überhaubt. Bis heute kann man hier Einblick in das Müllerhandwerk nehmen.


Foto: © SPSGHans-Werner Mihan

Die kleine Mühlenschule

Museumspädagogisches Angebot



König & Müller sind hier Andreas Flügge & André Nicke als Protagonisten für den rbb / Foto: rbb

Zwei populäre Nachbarn

Populär ist die berühmte Nachbarschaft von Sanssouci auch heute noch – nicht zuletzt auf Grund der regelmäßigen, satirischen Radio-Episoden auf dem Heimatsender vieler Brandenburger: Antenne Brandenburg.

Wer Preußentümelei erwartet, ist hier falsch!


Obst & Wein als Gartenschmuck

Friedrich von Preußen, der zweite dieses Namens, liebte sowohl guten Wein als auch frisches Obst und so nimmt es nicht Wunder, dass in seinem Refugium Wein- und Obstanbau in die weitläufigen Parkanlagen integriert wurden.

Foto: © SPSG Nicole Romberg

Insbesondere zur Baumblüte – Ende März bis Anfang Mai – und wenn die Früchte reifen, lohnt der Besuch mit der Kamera.


Weinberg & Mühle / Foto: © SPSG Reinhardt & Sommer

132 Stufen zum Glück

Die Weinbergterrassen wurden 1744 im Auftrag Friedrichs des Großen angelegt. Es entstanden sechs bogenförmige Terrassen mit 168 verglasten Nischen zur Kultivierung von Wein und Feigen.

Unter König Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861) wurden die Terrassen um 1845 begrünt und damit entscheidend verändert.


Wein auf dem Klausberg

Auf Grundlage der Empfehlung eines seiner Soldaten – eines geworbenen, rheinländischen Weinbauern – ließ Friedrich II. im Jahr 1769 auf dem Klausberg einen Weinberg nebst Belvedere und Winzerhaus – das sogenannte Drachenhaus – anlegen.

Wein am Klausberg. Bild links das Belvedere, Bild recht das Winzer- genannt das Drachenhaus. Fotos: © SPSG r. Virginie Mühlbrodt, m. & l. Nicole Romberg

An die einstige Tradition anknüpfend arbeiten die Gärtnerinnen und Gärtner der Mosaik-Berlin gGmbH gemeinsam mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten an der Wiederherstellung des Königlichen Weinbergs.

Baum-Patenschaft / Foto: © SPSG Nicole Romberg

Ein lebendiger Weinberg

Mittlerweile konnten rund 200 Obstbäume und mehr als 3.000 Rebstöcke – auch aufgrund der Übernahme von zahlreichen Patenschaften durch Weinliebhaber aus aller Welt – gesetzt werden.

Lassen Sie sich nicht das Königlichen Weinfest entgehen, dann kommen sogar Winzer aus Frankreich und bieten Ihre Weine an …


Auf die holländische Art

Blick aus dem holländischen Garten / Foto: © SPSG Hans Bach

Der Holländische Garten im Park Sanssouci besitzt geometrisch gestaltete Obstquartiere. Hier ließ Friedrich der Große, hinter den dicht belaubten Hainbuchenhecken, Obstbäume pflanzen – Äpfel und Birnen vor allem. Und genau diese historischen Sorten kehren seit Beginn der Wiederherstellung des Areals Bäumchen für Bäumchen zurück. Die Idee für den Holländischen Garten brachte Friedrich der Große, nebst Gärner, von einem Besuch in den Niederlanden mit. Letzterer übernahm auch, ganz nach den Wünschen des Königs, die Gestaltung der Schmuckflächen vor der Bildergalerie nach „holländischem Geschmack“.


Im Video werden Geschichte des Gartens und aktuelle Herausforderungen dort beschrieben.


Baumpaten sind immer gesucht. Wie wär´s?

Insbesondere wärend Baumblüte, zur Morgenstunde ergeben sich schöne Fotomotive in der Gartenanlage.


Der Ursprung der Dinge

Besucher, welche die Parkanlagen von Sanssouci über das Grüne Gitter betreten, können gleich rechterhand mit deren gärtnerischern Keimzelle ihre Tour starten – im heutigen Marlygarten. Hier wurden zu Zeiten Friedrich Wilhelm I. vor allem Gemüse und Kräuter für die Schloßküche angebaut. Das namensgebende „Marly“ ist ein Gebäudeensemble, inkusive dem Kavalierhaus „Schloss Marly“. Der durch Peter Joseph Lenné angelegte, heutige Garten ist reich bestückt mit blühendem Sträuchern, Blumenbeeten und Statuen. Die feingliedrige Bodenmodellierung gibt der Gartenanlage ein ganz eigenes Gepräge. Die Wege und Gehölzkulissen sind so angelegt, daß sie ständig in Bezug zum Turm der Friedenskirche stehen.

Planausschnitt des Marlygartens aus GAERTNERISCHES SKIZZENBUCH Nietner 1883 / Bild © : Wikimedia Commons

Vor oder nach einem Konzert in der Friedenskirche läßt es sich hier wunderbar Lustwandeln.


Pflanzen für die Parkanlagen

Foto: © SPSG Nicole Romberg

Auch heute werden Kräuter, Kohl und allerlei Eßbares in den Gärtnereien der Stiftung Preußisch Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg angebaut. Schwerpunkt aber bilden die Blumenkulturen für die zahlreichen Rabatten sowie die Stauden und Gehölznachzuchten.

Fast 60 Gärtnerinnen und Gärtner pflegen in liebevoller Arbeit Beete, Hecken, Bäume und ausgedehnte Wiesenflächen den Park von Sanssouci. Das prächtige Parterre am Fuße des Schlosses Sanssouci wird zweimal im Jahr mit über 230.000 Pflanzen nach historischem Vorbild geschmückt.

Schloßparkgärtnerei nahe den Römischen Bädern / Fotos: © SPSG l. Nicole Romberg, r. Andre Stiebitz


Domizil exotischer Früchte & Blüten

Es war immer schon das Vorrecht der „Reichen und Schönen“ sich mit exotischen – oft mithin auch sehr teuren – Gegenständen, wie chinesischem Porzellan, Tieren, wie Affen und Papageien, oder Pflanzen – je nach Jahrhundert beispielsweise Tulpen oder Orangenbäumen – zu umgeben.

Am preußischen Hof wurden teils über die holländische Verwandtschaft, aber zu Zeiten der Brandenburgisch-Afrikanische Compagnie (BAC) – später der Brandenburgisch-Afrikanische-Amerikanische Compagnie (BAAC), auch über eigene Akteure oder ganz einfach auf dem freien Markt erworbene Exotica gesammelt und ausgestellt.

Ein Schloss für die Pflanzen – die Orangerie / Foto ©: H.Klementz

Auf Befehl Wilhelm IV. wurde das wohl größte Orangerieschloß Norddeutschlands für die Unterbringung von ca. 1000 Orangenbäume erbaut. Es wurden beidseitig eines Mittelbaus zwei, jeweils 103 Meter lange und 16 Meter breite Pflanzenhallen mit einer Stellfläche von 1650 Quadratmetern errichtet.

Winter-Heimstatt exotischer Pflanzen – die Pflanzenhallen / Foto: © SPSG: v.l Nicole Romberg, Pierre Pasler

Die Große Orangerie diente zur Überwinterung eines umfangreichen Bestandes an nicht winterharten Pflanzen in Kübeln und Töpfen. Den Hauptanteil machten nach Fertigstellung des Gebäudes typisch barocke Pflanzen wie Lorbeeren, Myrten und Citrus aus. Prunkstück der Sammlung waren die rund 400 Orangenbäume, welche auf den Terrassen vor dem Schloss Sanssouci präsentiert wurden. Mit der Zeit wurden jedoch viele Orangen, die im Sommer die Terrassen des Schlosses Sanssouci schmückten, durch pflegeleichtere Lorbeerkugeln ersetzt.

Gegenwärtig nimmt die Orangerie rund 1200 Pflanzen verschiedener Präsentationsflächen auf. Nach 2000 gelang es, wieder einen größeren Bestand an Orangenbäumen aufzubauen und diese alternierend mit pyramidal geschnittenen Eiben auf den Terrassen von Sanssouci nach barockem Vorbild zu präsentieren. 

Den Hauptanteil des heutigen Bestandes machen die Orangen der Terrassen vor dem Schloss Sanssouci, sowie die Lorbeeren des gartenseitigen Halbzirkelparterres am Neuen Palais aus. Hinzu kommen die differenzierten Pflanzenbestände des Sizilianischen und Nordischen Gartens sowie des Parks Babelsberg.


Fruchtansätze / Foto: © SPSG Pierre Pasler

Das Orangerieschloss ist bis auf Weiteres, wegen Sanierungsarbeiten im Rahmen des Masterplans für die preußischen Schlösser und Gärten, geschlossen.

Im Winter kann man sich die Nasen an den Scheiben plattdrücken. Wenn die Pflanzen in den Außenanlagen stehen, dann finden in den Hallen oft Veranstaltungen statt.

Achten Sie im SPSG-Veranstaltungskalender auf die angebotenen Führungstermine – es lohnt sich!


Mustergut und „italienische“ Dorfidylle

Nur einen knappen Kilometer geht man vom Schloss Sanssouci bis zum ehemalige Mustergut der Hohenzollern, dem Krongut Bornstedt. Es umfasst eine Fläche von 18 km².

Anlage um 1860, Bild ©: Wikimedia Commons Sammlung Alexander Duncker

Heute ein besuchenswertes Kleinod / Foto ©: Krongut Bornstedt

Im Jahr 1664 erwarb der brandenburgische Kurfürst Friedrich Wilhelm das Bornstedter Rittergut. Folgend wurden auf dem Gelände eine Brauerei und eine Brennerei errichtet. Der ab 1727 angelegte Hopfengarten wurde 100 Jahre später für einen Lenné’schen Verschönerungsplan aufgegeben. Das ursprünglich dem Amt Potsdam unterstehende Gut wurde 1841 von Friedrich Wilhelm IV. für die königliche Familie erworben, das bedeutet, es war von nun an Privatbesitz der Hohenzollern. Von 1846 bis 1848 wurde es, nach einem Brand, komplett neu im italienischen Stil errichtet. Das bis in die 1980er Jahre mit modernen Gebäuden überformte Ensemble wurde ab 1999 rückgebaut und rekonstruiert.

Das Dorf wurde als Sommerfrische gestaltet, entsprechend „echt“ wirkt es, wenn die Sonne hoch steht, aber auch die dunkleren Jahreszeiten bieten ihren Reiz: Weihnachtsmärkte in romantischer Kulisse zum Beispiel.


Höfische Dorfromantik

Rund um und zwischen die Residenzen der Kurfürsten von Brandenburg bzw. der königlichen Beherrscher Preußens, in Potsdam & Berlin, erbauten diese ihre Sommerfrischen und Jagdschlösser im jeweiligen Geiste der Zeit. So finden sich nicht nur im weitläufigen Land Brandenburg Landsitze mit bewußt dorf- bzw. ländlichem Charakter – Schloss Paretz sei hier besonders erwähnt, sondern sie fügten auch, in die von ihnen in Auftrag gegebenen Parkanlagen, immer wieder landwirtschaftliche & dörfliche Gestaltungselemente ein. Ja, sie ahmten teils das bäuerliche Leben, als Ideal einer „heilen Welt“ selbst nach.

Schafe vor dem Weinbergschloss Friedrichs / Foto: © SPSG Hans Bach

Als Pastorale, abgeleitet vom lateinischen pastor =Hirte, wird ein Motiv bezeichnet, welches in einer idyllischen ländlichen Szene – vorzugsweise als „Schäferszene oder Schäferstück“ abbildet. Sowohl in der Epoche der Renaissance, als auch im Barock – mithin auch im friederizianischen Rokoko – wurden solche Ideale ländlicher Einfachheit und Ruhe als Szenerie einer romantizierten Welt lebendig. Die Rokoko-Welt Friedrich II. um sein Weinbergschloss spiegelt diese Form der Romantik in lebendigen Fascetten, hierin gleicht sie dem Hameau de la Reine der Königin Marie-Antoinette, im Schloßpark von Versailles.

„Zurück zur Natur“ war die inspirierende Losung Jean Jacques Rousseaus, welcher der europäische Adel Ende des 18. Jahrhunderts dazu verführte „Schmuckbauernhöfe“ errichten. In kulissenhafter Architektur inszenierte die vornehme Hofgesellschaft ihre romantischen Vorstellungen des „einfachen Landlebens“. In Preußen waren es Friedrich Wilhelm II. und seine Geliebte Gräfin Lichtenau, die sich mit der Meierei auf der Pfaueninsel ein bäuerliches Plaisir fernab der höfischen Etikette schufen. Hier melkten sie wohlgepflegte Milchkühe und genossen süße Milch.

Ländliches Idyll – die Meierei auf der Pfaueninsel / Foto: © SPSG Jörg P. Anders


Das Jagdschloß im Stil eines holländischen Bürgerhauses / Foto: © SPSG Hillert Ibbeken

Die Streuobstwiese am Jagdschloss Stern

Friedrich Wilhelm I. förderte den Obstanbau in Preußen. Einer seiner Erlasse besagte: „dass bey allen Schlössern im Lande Obst-Gärten angeleget werden“. Nicht nur das, er ging auch selbst mit gutem Beispiel voran: Am Jagdschloss
Stern war ursprünglich einst ein von einer Hecke umgrenzter königlicher Obst- und Gemüsegarten angelegt worden. Dieser soll wieder erstehen. Die Anordnung der Bäume wird die Symmetrie der Wegesternanlage aufnehmen.

Schön ist es hier vor allem, wenn das Laub ringsum die Farben wechselt – im Frühjahr das helle Grün und im Herbst die bunte Blätterpracht …


Colonie Alexandrowka – auch ein Obstbaumparadies

Friedrich Wilhelm III. : „Es ist Meine Absicht, als ein bleibendes Denkmal der Erinnerung an die Bande der Freundschaft zwischen Mir und des Hochseeligen Kaisers Alexander von Rußlands Majestät, bei Potsdam eine Colonie zu gründen, welche ich mit den, von Seiner Majestät mir überlassenen Russischen Sängern als Colonisten besetzen und Alexandrowka benennen will.“

1827 zogen die neuen Bewohner in vollständig möblierten Anwesen ein. Auch Gärten waren für sie angelegt zudem erhielt jeder Haushalt eine Kuh geschenkt.

Alexandowka lohnt in jeder Jahreszeit einen Besuch. Natürlich wirken die Streuobstwiesen im Blütenkleid oder mit fruchtbeladenen Bäumen in besonderer Weise.

Dörfliche Idylle mitten in der Landeshauptstadt / Fotos: © PMSG SPSG/André Stiebitz

Die Siedlung besteht aus insgesamt zwölf Gehöften, deren freistehende Giebelhäuser ein- und zweigeschossig sind, aus einem zweistöckigen Aufseherhaus (ohne großen Garten) sowie einem Haus bei der Kirche, in dem der Aufseher der königlichen Teestube, in der ersten Etage wohnte. Jedes Gehöft besteht aus einem Wohnhaus mit Balkon und vorgelagerter Loggia, welches durch eine überdachte Toreinfahrt mit einem kleinen Stallgebäude verbunden ist.


Plan ©: Stadt Potsdam

Obstbäume im „russischen „Dorf

Gartendirektor Peter Joseph Lenné gab dem Gelände die Grundform eines Hippodroms mit eingelegtem Andreaskreuz, an dessen Schnittpunkt das Haus des Aufsehers stand. Unter der Leitung des Hofgärtners Johann Georg Morsch d. Ä. wurde dieser Entwurf umgesetzt. Die Lennésche Anlage wurde im Rahmen der BUGA 2001 rekonstruiert und seitdem sind hier zahlreiche alte Obstsorten wieder beheimatet.


Seit einigen Jahren werden in der Colonie Stauden von Karl Foerster, aus dem Bestand der Freundschaftinsel,präsentiert. Auch die Züchtungen von Dr. Tamberg sind u.a. auf dem „Blumengarten der Stadt“ in Alexandrowka präsent.


Im Haus Nr. 2 befindet sich das Museum Alexandrowka, welches den Besuchern einen Einblick in die Geschichte und die Architektur der Blockhäuser ermöglicht.


Gestaltetes Ackerland

Das Brandenburgische Landesamt für Denkmalplege und Archäologische Landesmuseum hat mit Wirkung vom 17.02.2014 das nachfolgend kurz bezeichnete Denkmal: Elemente der ehemaligen Bornimer Feldlur (Alleen und Feldwege, Remisen und Holzungen, Acker- und Wiesenlächen, Hecken und Gräben) Potsdam – Nordraum in die Landesdenkmalliste aufgenommen.

Peter Joseph Lenné sollte, auf königlichen Wunsch, auch außerhalb der königlichen Gärten gestalterisch tätig zu werden, insbesondere dort, wo sich der Hof oft selbst im Umfeld der Residenzstadt bewegte. So wurde die Feldmark um Bornim, Bornstedt und die Umgebung von Eiche in die Landschaftsverschönerungsmaßnahmen einbezogen. Ab 1844 wurde unter Leitung von Hermann Sello, in Anlehnung an die Pläne Lennés, mit der Anlage der Feldflur begonnen.

Nachgepflanzte Maulbeerallee / Foto ©: Kretschmann

Zentrales Element der Feldflur sind die Alleen. Die Lindenallee führt von Bornstedt über das Gut Bornim in Richtung Marquardt. Auch eine Maulbeerbaumallee wurde gepflanzt. Das Setzen der Maulbeerbäume entsprach einem Wunsch König Friedrich Wilhelm IV., der in Bornim die Seidenraupenzucht etablieren wollte – allerdings scheiterten sämtliche Versuche hierzu.

Die Gestaltung der Feldflur sollte sowohl nach landwirtschaftlichen als auch nach ästhetischen Gesichtspunkten erfolgen. So wurden mehrere unbewaldete Hügel aufgeforstet und dort dann auch Remisen angelegt, in denen das Vieh Schutz vor Unwetter finden konnte. Durch das Anlegen von Hecken sollten die Sandböden vor Westwinden und damit verbundenen Erosionen geschützt werden.

Mittelpunkt der Feldflur wurde das neuerrichtete Gut Bornim. Nach einem Brand 1945 ist nur noch der so genannte „Persiusturm“ vom Gutshaus erhalten. Heute werden die Anlagen des Gutes vom „Leibnitz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim e. V.“ genutzt.

Eine Radtour oder Wanderung durch die Feldflur lohnt sich in jeder Jahreszeit. Wer Maulbeeren naschen möchte, sollte natürlich im Juni (Weiße Maulbeeren) bzw. Juli (Schwarze Maulbeeren) vorbeischauen.


Es wird durchgeblüht

Wenn etwas auf Kniehöhe in Potsdam blüht, ist die Warscheinlichkeit, dass es ein Nachfahre der Züchtungen von Karl Foerster ist ziemlich groß. Der 1874 geborene Gärtner ist unter seinen Fachkollegen bis heute weltberühmt. Warum das so ist, erfährt man am leichtesten, wenn man seine Gärtnerei in Potsdam-Bornim besucht. Hier werden bis heute Stauden in seinem Sinne produziert gehandelt und mustergültig angepflanzt.

Staudenphlox benannt nach Eva Foerster, der Frau des Gärtners / Foto ©: privat

Eva und Karl Foerster 1967 – drei Jahre vor seinem Tode / Bild © : Wikimedia Commons

Unter Denkmalgeschutz: Garten und Wohnhaus / Foto ©: DSD Roland Rossner

Wer hier von der gärtnerischen Inspiration angesteckt wird, dem sei auch der Besuch auf der Freundschaftsinsel, zwischen Landtagsschloss und Hauptbahnhof, inmitten der Alten Fahrt empfohlen.

Auch wenn es tatsächlich (fast) immer blühende Stauden zu entdecken gibt – von April bis Dezember ist es tatsächlich bunt in den Beeten.


Lebendige Potsdamer Landwirtschaft

Geprägt ist die Potsdamer Landwirtschaft durch das gestaltete Landschaftsbild, den Obstanbau und extensive Viehaltung / / Fotos ©: Stadt Potsdam

Mehr als 30 hier ansässige Betriebe bewirtschaften über 4.000 ha landwirtschaftliche Nutzfläche (Ackerland, Grünland, Obstbauflächen) im Stadtgebiet. Das Spektrum der Betriebsformen reicht vom Familienbetrieb bis zur Agrargenossenschaft, die Breite der Produktion vom Ackerbau bis zur Gärtnerei, von der Rinderhaltung bis zum Reiterhof, von der konventionellen Produktion bis zum Ökolandbau sowie vom reinen Produktionsbetrieb bis zum Direktvermarkter mit Hofladen. 

Insbesondere die „Brandenburger Landpartie“ bietet Gelegenheit aktive, landwirtschaftliche Akteure zu besuchen. Die Veranstaltung findet immer am zweiten Juniwochenende statt (es sei denn dies ist das Pfingswochenende, dann geht es ein Wochenende später hinaus auf die Höfe).


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