Ungewöhnliche Lager für die Nacht

Ob unter Obstbäumen im Zigeunerwagen, im Tipi-Dorf oder in einem Schlafwagen der Transsibirischen Eisenbahn, ob rund und regional im Gurkenfass, unterwegs auf Lausitzer Zeitreise im Planwagen oder romantisch im Heu – sich bunt betten und urig Urlaub machen, das ist überall im Land Brandenburg möglich.

Barfuß läuft Steffi Bartel durch das grüne Gras, huscht hinüber zu den Jurten, zeigt die Zelte, öffnet den Bienenwagen unterm Apfelbaum den neugierigen Blicken ihrer Gäste. Ansprechend schlicht ist die Einrichtung, ganz ohne Firlefanz, aber kuschelig gemütlich. Über der Terrasse baumeln reife Früchte zum Greifen nah. Zwischen den Bewohnern der verschiedenen Wagen werden rasch Grüße ausgetauscht. Es ist eine fröhliche Gemeinschaft auf dem Naturerlebnishof Uferloos, der Umweltbildungsstätte am Oderdeich. Ein kleines Paradies ist dort entstanden, das nicht nur Rad- und Wasserwanderer an der Oder begeistert.

Ein paar Kilometer weiter nördlich stehen in Groß-Neuendorf Bahnwaggons auf Schienen dicht am Ufer. Die Bewohner genießen den unverstellten Blick auf den Strom. „Nicht abstoßen, nicht ablaufen lassen“, mahnt noch ein altes Schild am restaurierten Wagen. Mit dem dunkel gebeizten Holz und großen, hohen Fensterflächen wirken die Unterkünfte sehr ansprechend. Davor sind Tisch und Stühle aufgestellt und die Gäste genießen die Abendstimmung. Unterhalb am Wasser versuchen Angler ihr Glück. Wem das zu viel Idylle ist, geht ins östlichste Theater Deutschlands, nur ein paar Meter weiter. Es residiert in einem einstigen Viehwaggon, jetzt eingerichtet als Salonwagen der 20er Jahre.

Wer im alten Hafen hoch hinaus will, kann die Ferienwohnung im ehemaligen Verladeturm beziehen.
Mitten im Fläming darf man sich wie auf einer Reise durch die unendlichen Weiten Sibiriens führen. Im Schlafwagenhotel „Altes Lager“ erwarten Waggons der Transsibirischen Eisenbahn die Gäste, das freundliche Servicepersonal trägt schmucke Uniformen, gespeist wird Gutes aus der Region. Zum Verdauen kann man sich auf dem nahen Fläming-Skate bewegen, für exklusive Freizeitvergnügen bieten die Betreiber auch Fahrten im Oldtimer oder Sportwagen an.

Zurück in vergangene Zeiten geht es in Lauchhammer, wo mitten im Grünen elf große und drei kleine Planwagen zu einer Wagenburg angeordnet wurden. Sind die Bewohner unterwegs in der Prärie und schützen sich vor feindlichen Indianern? Weit gefehlt, hier sind Hussiten zu Hause. Sie durchstreifen die Lausitz, um reiche Beute zu machen. Die sozial-reformatorische Massenbewegung aus Böhmen führte einst Feldzüge mit mehreren Hundert Wagen. Heute geht es friedlich zu, Familien und Jugendliche begeben sich auf eine spielerische wie lehrreiche Zeitreise zurück ins Jahr 1432. Sie lernen, in freier Natur mit den einfachsten Mitteln zu leben und für alles Notwendige selbst zu sorgen. Ein Tipi-Dorf empfängt bei dem Umweltzentrum Drei Eichen in der Märkischen Schweiz seine Gäste. Am Lagerfeuer wird gekocht, gesungen und gefeiert – und sollte es zu nass oder kalt sein, bietet das Versammlungszelt Schutz. Beliebt sind Ausflüge von Papa und Kind ins Tipi-Lager im wilden Osten.

Wer eine Abwechslung von der Lagerfeuer-Romantik sucht, erkundet mit GPS-Geräten den Naturpark. Familien können im Waldcamp gemeinsam im Einklang mit der Natur leben.Naturnah und schön ländlich ist das beliebte Übernachten im Heuhotel. Ausstrecken auf dem wohlig warmen Lager und dabei tief einatmen. Auf Wunsch schaut Wirtin Gesine Müller in Tracht vorbei und erzählt eine Gute-Nacht-Geschichte. Und falls zwei über beide Ohren verliebt sind, dann das Kuschel-Séparée im Heuhotel Lutzke in der Niederlausitz so richtig romantisch.

Wohnen im Gurkenfass

Spreewald und Gurken, das gehört zusammen. Man ist unterwegs auf dem Gurkenradweg, besucht den Gurkenmarkt in Lübbenau, die Gurkenmeile am Großen Kahnhafen – und übernachtet stilgerecht im Gurkenfass. Michael Hanschik hat auf seinem Grundstück in Lübbenau neben Restaurant und Eisdiele zwei der ausgebauten Holzfässer schön unter Bäumen platziert. 3,30 m lang und 2,10 m breit, bieten sie mit Doppelbett und kleiner Sitzgruppe genügend Platz für je zwei Personen. Zur Sanitäreinheit sind es nur ein paar Schritte. Klappfenster hoch, mit Blick aus dem kuscheligen Fass den neuen Tag begrüßen – und nach der ersten Kahnfahrt ein Mittagsschläfchen in der Hängematte…

Mit Weitblick

Die Prignitz ist bei Pilgern beliebt, über Tausende nehmen jedes Jahr den Pilgerstab zur Hand und wandern auf den Wegen nach Bad Wilsnack durchs Land. Religiös bestimmt, aus innerer Einkehr oder nur hinaus aus grauer Städte Mauern – Gründe gibt’s viele. Für die Frommen und Frohgemuten dient der Kirchturm von Barsikow nun als entrückte Raststätte. Nahe bei Gott, noch näher dem Glockengeläut (täglich um 18 Uhr außer sonntags) können zehn Pilger in zwei saalartigen Räumen ihr müdes Haupt betten. Eine einfache Herberge, aber mit Küche, Dusche und WC – und der Blick von hier oben macht schon Lust auf die nächste Etappe. Anmeldung bei Klaus-Jürgen Grüztmacher, Tel. 033978/70938, einen Tag vorher, damit er für Frühstück und Abendbrot rechtzeitig einkaufen kann.