Pilze sammeln in Brandenburg – wo & wie?
Wenn der Wald seine Schätze preisgibt
Brandenburg ist ein Paradies für Pilzsammler. Über eine Million Hektar Waldfläche und ideale Böden bieten beste Bedingungen für Steinpilze, Maronen und Pfifferlinge. Holen Sie das Körbchen raus: Pilzesammeln in der Region ist Entschleunigung, Naturerlebnis und kulinarisches Abenteuer in einem. Hier finden Sie alles, was Sie für eine erfolgreiche Saison wissen müssen
Die besten Pilzgebiete in Brandenburg
Im Norden: Schorfheide – das Pilzeldorado
Die Schorfheide ist eines der beliebtesten und ergiebigsten Pilzreviere Deutschlands. Das UNESCO-Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin nördlich von Berlin bietet auf über 1.200 km² ideale Bedingungen für Pilzfreunde.
Was wächst hier?
- Steinpilze (August bis Oktober)
- Maronen-Röhrlinge (Juli bis November)
- Birkenpilze (Juni bis Oktober)
- Butterpilze (September bis November)
- Pfifferlinge (Juni bis Oktober)
Besondere Highlights: Der Buchenwald Grumsin – UNESCO-Weltnaturerbe – ist nicht nur landschaftlich beeindruckend, sondern auch pilzreich. Hier finden ganzjährig geführte Pilzwanderungen statt, bei denen selbst routinierte Sammler noch Neues lernen.
Von der A11: Ausfahrt Joachimsthal, weiter Richtung Altkünkendorf. Parkplätze am Buchenwald Grumsin vorhanden.

Marone im Moos _ Foto: Bertsz
Im Süden: Naturpark Hoher Fläming
Rund um Bad Belzig erstreckt sich eine abwechslungsreiche Landschaft mit Laub- und Mischwäldern. Der kalkhaltige Boden begünstigt eine besondere Artenvielfalt.
Was wächst hier?
- Perlpilze (Juli bis Oktober)
- Kleine Hexenröhrlinge (Juni bis Oktober)
- Steinpilze
- Maronen
- Champignons (auf Wiesen)
(Geheim)tipp: Die Wälder zwischen Bad Belzig und Wiesenburg/Mark sind weniger frequentiert als die Schorfheide und oft sehr ergiebig.
Anfahrt: A9 Ausfahrt Brück, weiter über B246 nach Bad Belzig.
Im Osten: Die Märkische Schweiz
Im Westen: Havelland – Pilze vor den Toren Berlins
Die hügelige Landschaft um Buckow überrascht mit botanischen Raritäten. Der kalkreiche Boden schafft ideale Bedingungen für seltene Arten.
Besonderheiten:
- Gelbe Speisemorchel (April bis Mai) – eine Delikatesse!
- Stockschwämmchen
- Herbsttrompeten
- Diverse Röhrlinge
Die Märkische Schweiz ist perfekt für alle, die neben Pilzen auch eine malerische Wanderregion suchen. Kombinieren Sie Pilzesuche mit einem Ausflug zum Schermützelsee!
Anfahrt: A10 Ausfahrt Freienbrink, weiter über B168 nach Buckow.
Im Westen: Havelland – Pilze vor den Toren Berlins
Das Havelland bietet stadtnahe Pilzreviere mit großer Artenvielfalt. Besonders empfehlenswert sind die Wälder rund um Falkensee.
Hotspots:
- Bredower Forst: Schöner Naturlehrpfad zwischen Falkensee und Brieselang mit Infotafeln zu Pilzen und Kräutern
- Krämerforst: Ausgedehntes Waldgebiet mit guten Steinpilz- und Maronenvorkommen
- Wälder um Nauen und Ribbeck
Was wächst hier? Die gesamte Palette heimischer Röhrlinge und Blätterpilze, besonders ergiebig im Herbst.
Anfahrt: Von Berlin via A10/B5 nach Falkensee, Parkplätze am Waldesrand vorhanden.
Brandenburger Pilzkalender: Was wächst wann?
Frühling (März bis Mai)
- März-April: Morcheln (Vorsicht: nur für Experten!)
- April-Mai: Maipilze, Schuppige Porling
- Mai: Erste Steinpilze bei warmer Witterung
Sommer (Juni bis August)
- Juni-Juli: Pfifferlinge beginnen
- Juli: Birkenpilze, Rotkappen
- August: Steinpilz-Hauptsaison startet, Maronen
Herbst (September bis November)
Die Hauptsaison!
- September: Steinpilze, Maronen, Butterpilze in Massen
- Oktober: Hallimasch, Violetter Rötelritterling
- November: Späte Maronen, Austernpilze
Winter (Dezember bis Februar)
- Dezember-Februar: Samtfußrübling, Austernseitling
- An frostfreien Tagen: Winterpilze an Baumstämmen
Tipp: Die beste Zeit zum Pilzesammeln ist 3-5 Tage nach ergiebigen Regenfällen bei milden Temperaturen!
Besonderheit Sommersteinpilze: Diese frühen Steinpilze (ab Juni) sind häufig verwurmt – oft sind nur die Hüte zu 90% brauchbar. Kontrollieren Sie Stiel und Hut sorgfältig!
Pilzcoach & Fotograf Moritz Schmid:

Warum Pilze weit mehr sind als ein Nahrungsmittel – und wo und wie man sie entdecken kann: Eindrücke und Sammlertipps von Moritz Schmid, Pilzsachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie und Pilzfluencer.
Rechtliches: Was Sie wissen müssen
Wo darf ich sammeln?
VERBOTEN ist das Sammeln:
- In ausgewiesenen Naturschutzgebieten (NSG)
- In Nationalparks
- In Kernzonen von Biosphärenreservaten
- Auf Privatgrundstücken ohne Erlaubnis
ERLAUBT ist das Sammeln:
- In öffentlichen Wäldern für den Eigenbedarf
- Auf Flächen der Landesforstverwaltung
- In Landschaftsschutzgebieten (außer bei Sonderregelungen)
Wichtig: Achten Sie auf Beschilderungen vor Ort!
Wie viel darf ich sammeln?
Nach § 39 BNatSchG dürfen Pilze „in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf“ gesammelt werden.
Faustregel:
- 1-2 kg pro Person und Tag gelten als Eigenbedarf
- Das entspricht etwa 1-2 Mahlzeiten
- Keine kommerzielle Nutzung ohne Genehmigung
Gewerbliches Sammeln: Wer größere Mengen sammeln möchte, benötigt eine behördliche Genehmigung vom zuständigen Landkreis oder Landratsamt. Diese ist kostenpflichtig und an Auflagen gebunden.

Gute Ernte _ Foto: H.Klementz
Geschützte Pilzarten
Einige seltene Arten stehen unter Naturschutz und dürfen nicht gesammelt werden:
- Trüffeln (alle Arten)
- Grünling
- Kaiserling
- Verschiedene Morchel-Arten
Bei Unsicherheit: Stehen lassen!
Rezeptidee: Kartoffelsamtsuppe mit Steinpilzen
Die Tenne – ein rustikales Restaurant (viel Holz und Fachwerk) – bietet, unweit von Weißem See und Lehnitzsee, bodenständige Küche.
Hier werden auch eigene Kreationen, wie die Kartoffelsamtsuppe mit Steinpilzen serviert.

Neue Pilzart in Brandenburg: Falsche Rotkappe
Die Falsche Rotkappe – ein kulinarischer Newcomer
Seit einigen Jahren breitet sich zwischen Brandenburgs sandigen Kiefernwäldern eine neue Pilzart aus: die Falsche Rotkappe (Leccinum piceinum). Besonders in der Lausitz ist sie mittlerweile häufig zu finden.
Erkennungsmerkmale:
Wächst bei Fichten und Kiefern
Kräftiger rotbrauner Hut
Stiel mit fühlbarer Längsrippung (nicht nur optisch!)
Ähnlich der Birkenpilze/Rotkappen
Kulinarischer Wert: Der Brandenburgische Landesverband der Pilzsachverständigen stuft die Falsche Rotkappe als essbar ein – jedoch mit Einschränkungen.

Foto Rainer Weisflog
⚠️ Vorsicht beim Verzehr:
- Nur in kleinen Mengen testen (individuelle Unverträglichkeiten möglich)
- Gut durchgaren (mindestens 20 Minuten)
- Nicht für Kinder oder empfindliche Personen
Die Entdeckung ist so neu, dass sie es noch nicht in alle deutschen Pilzbücher geschafft hat. Ein spannendes Beispiel dafür, dass selbst heimische Wälder noch Überraschungen bereithalten!