Ohne Auto mobil in Brandenburg

Wer das ländliche Brandenburg entdecken möchte, kann sein Auto in der Garage lassen. Mit Bus oder Bahn erstmal raus aus der Stadt und dann zu Fuß oder per Rad mitten hinein ins Grüne, wo man entspannt die Produkte der Region genießen kann. Zwei Beispiele für erlebnisreiche Tagestouren.

In schönstem Purpur leuchtet im Spätsommer die Niederlausitzer Heidelandschaft. Vorbei an alten Traubeneichenwäldern und Streuobstwiesen, zwischen Mooren und Teichen führen gut ausgebaute Radwege durch die verzauberte Landschaft im Elbe-Elster-Kreis. Ein guter Ausgangspunkt für eine Tagestour ist die historische Kurstadt Bad Liebenwerda. Die Rothsteiner Felsen, vor mehr als 500 Millionen Jahren am Meeresgrund entstanden und durch verschiedene Eiszeiten an die Oberfläche gelangt, sind eine erste interessante Zwischenstation auf der rund 70 Kilometer langen Tour. Weiter geht es über Domsdorf und Tröbitz, wo rund 100 Jahre lang Braunkohle gefördert wurde. Seitdem haben sich Flora und Fauna zurückgeholt, was ihnen einst genommen wurde. Nur Restlöcher bleiben als Erinnerung an die Vergangenheit. Ein kleiner Abstecher führt zu LOUISE. Die älteste Brikettfabrik Europas ist längst auf Rente, aber Besucher können sich ein Bild davon machen, wie hart die Arbeit einst gewesen sein muss.
Einen Kontrast dazu bildet einige Kilometer weiter das Renaissanceschloss von Doberlug-Kirchhain, zur großen Landesausstellung 2014 frisch saniert und seitdem ein beliebtes Besucherziel. Die benachbarte Klosterschänke ist ideal, um die Spezialitäten der Region zu genießen. Gut gestärkt geht es weiter durch kleine, verträumte Dörfer hin zum größten Streuobstgebiet Brandenburgs rund um Hohenleipisch. Alte, selten gewordene Apfelsorten haben im Pomologischer Schau- und Lehrgarten Döllingen ihren Platz. In Bad Liebenwerda kann man die Tour in einem hübschen Café am Markt abschließen. (Tour 1)

Alle Sinne werden auf einer Tagestour durch den Naturpark Stechlin-Ruppiner Land gefordert. Am Bahnhof Dannenwalde bei Gransee erwartet Deutschlands erster Barfußpark mit Gleisanschluss die Ankommenden. Also Schuhe aus und tapfer über Sand, Lehm, Steine, Tannenzapfen oder Baumstämme, bis die Nervenenden an den Fußsohlen glühen. Dazu gibt es Geschicklichkeitsspiele und allerlei Wissenswertes rund um die Füße. Die erste Etappe einer 28 km langen Radtour führt nach Zernikow, wo Michael Gabriel Fredersdoff nicht nur ein barockes Gutshaus und eine Ziegelei erbauen, sondern auch 8.000 Maulbeerbäume zur Fütterung seiner Seidenraupen pflanzen ließ.

Heute gibt es im Inspektorenhaus des Guts Zernikow eine sehenswerte Ausstellung zur Geschichte der Seidenraupenzucht. Eine alte Buchenallee führt in den kleinen Ferienort Menz am Ufer des Roofensees. Dort wachsen im Sinnesgarten des NaturParkHauses Stechlin Kräuter, Sträucher und viele andere Pflanzen. Zusammen ergeben sie eine Symphonie von Farben, Formen und Gerüchen, die alle Sinne beansprucht. Auch die Füße dürfen wieder aus den Schuhen, um auf einem Tastpfad verschiedene Untergründe zu spüren. Noch mehr Naturerlebnisse bietet der Wald- und Wassererlebnispfad rund um den Roofensee, wo an 20 Stationen über die Tier- und Pflanzenwelt informiert wird.

Nächste Station der Radtour ist der Stechlinsee – einst von Fontane zum literarischen Denkmal erhoben und bis heute berühmt für sein klares Wasser. Vor dem erfrischenden Bad noch rasch ein Blick ins Glasmacherhaus von Neuglobsow, wo eine Ausstellung das Leben der Glasmacher im 18. Jahrhundert zeigt. Für Tradition steht auch Rainer Böttcher. In sechster Generation arbeitet er als Fischer. Was er fängt, kann man in seiner Fischgaststätte in Neuglobsow frisch genießen. Gut gestärkt geht es danach auf die letzte Etappe zum Bahnhof Fürstenberg/Havel und von dort per Regionalbahn wieder nach Hause. (Tour 2)

INFORMATIONEN ZU DEN TOUREN

Tour 1:
Start/Ziel: Bhf. Bad Liebenwerda.
Anreise tgl. aus Leipzig (RE1), Cottbus (RE18) und Berlin (RE3, in Falkenberg umsteigen in RE5).
Dauer: ca 70 km; Teilstrecke bis Bhf. Doberlug-Kirchhain möglich.
Fahrräder: Leihmöglichkeit u.a. im Haus des Gastes im Kurpark Bad Liebenwerda.
Weitere Infos: Naturparkhaus Bad Liebenwerda, www.naturpark-nlh.de

Tour 2:
Start/Ziel: Bhf. Dannenwalde/Bhf. Fürstenberg/Havel. Verbindung ab/bis Berlin mit RE5.
Dauer: ca. 28 km.
Weitere Infos:
NaturParkHaus Stechlin,
www.naturparkhaus.de

Elektrisch radeln in Brandenburg

Immer mehr Regionen in Brandenburg setzten auf E-Bikes. Das Netz an Verleihstationen und Ladestellen wird kontinuierlich erweitert. Über mehr als zwei Dutzend Verleihstationen verfügt inzwischen das Projekt „Sonne auf Rädern“, das von der Jugendwerkstatt Hönow initiiert wurde und unter anderem im Seenland Oder-Spree, im Dahme-Seengebiet, im Barnim und in der Uckermark aktiv ist. Besonders dicht ist das Netz im Seenland OderSpree.
Dort werden Leihräder in verschiedenen Touristeninformationen angeboten, aber auch bei Hotels und Restaurants oder im Bergbaumuseum Rüdersdorf. Eine Verleihstation gibt es auch im Erlenhof in Kienitz, wo man bei einem längeren Aufenthalt auch originelle Unterkünfte in einem Schäferwagen oder einer Blockhütte findet. Als neuen Service liefert das Projekt „Sonne auf Rädern“ auch Tourenräder oder Pedelecs für Gruppenausflüge. Bis zu 30 orangefarbene Tourenräder werden an jeden gewünschten Ort in Brandenburg geliefert und auch nach der Tour wieder abgeholt. Auf Wunsch werden auch Pedelecs oder Jugendräder geliefert.