Landurlaub Brandenburg Adventskalender: Türchen ✨24✨


Ein Winter für zwei

(eine kleine Geschichte)

Der Storch war zu spät. Viel zu spät.
Während seine Artgenossen längst über den Süden zogen, schwebte er nun allein über
Brandenburg. Die Felder wirkten grau, die Dörfer still, die Höfe leer. Kein
Sommertraktor, keine Spargelfelder, keine lebendigen Hofcafés. „Das schaffe ich nicht
mehr“, flüsterte er. Der Weg in die Wärme war zu weit. Ein ganzer Winter allein – ein
schrecklicher Gedanke.


Über einer verschneiten Koppel im Havelland sah er ein Pferd, das ruhig im Schnee
stand, als würde es den Winter persönlich kennen und nichts dabei finden.
„Du siehst aus, als könntest du Gesellschaft brauchen“, wieherte es freundlich.
„Von oben wirkt alles so verlassen“, sagte der Storch. „Ich weiß nicht, wohin.“
„Dann komm herunter“, schlug das Pferd vor. „Brandenburg ist im Winter anders. Man
muss nur näher heran.“


Und so zogen sie gemeinsam los.
In der Prignitz und der Uckermark fanden sie warme Fenster, hinter denen gebacken,
gebastelt und erzählt wurde. Aus kleinen Werkstätten strömte Holz- und Kräuterduft,
und Feuerstellen glühten in den Höfen.


In den südlicheren Regionen hörten sie Schlittschuhe über Eis tanzen, sahen Menschen
beim Eisbaden lachen und Familien, die gemeinsam Lichter anzündeten. Im
wasserreichen Brandenburg spiegelte sich der Winter im Wasser.
Es duftete nach Tee und Gebäck, und an einigen Orten stieg Dampf aus Saunen, während
drinnen Ruhe und Wärme herrschte. Selbst rund um Potsdam trafen sie Gäste, die
wanderten, meditierten oder bei der Stallarbeit halfen – dankbar für die Stille der
Nebensaison. Der Storch staunte.


All das hatte er von oben nicht erkennen können: das Leben, das Licht, die Gemeinschaft.
Die unaufgeregte Wärme Brandenburgs im Winter. Am Ende ihrer Reise standen sie
wieder an einem stillen Teich. „Vielleicht ist ein Winter hier gar nicht so schlecht“, sagte
der Storch leise. „Vor allem nicht, wenn man ihn zusammen verbringt“, antwortete das
Pferd. Sie fanden keine anderen Störche.
Aber sie fanden Freundschaft – und ein Brandenburg, das selbst in der tiefsten
Jahreszeit voller Herz schlägt.


Frohe Weihnachten, ein besinnliches Jahresende und einen wunderbaren
Jahreswechsel.