Entspannte Ferien mit neuen Freunden

Als Lutz Gierke in der Uckermark die erste Ferienwohnung ausbaute, wurde er von manchen Nachbarn belächelt. Seine großen und kleinen Gäste schätzen es, dass sie auf einem echten Bauernhof ihre Ferien verbringen können.

Vorsichtig bewegt sich die siebenjährige Helena durch den Stall, neugierig beäugt von einem Dutzend schwarz gefleckter Schweinchen. Ermuntert von der Bäuerin streichelt sie dem ersten über den Kopf und lässt sich selbst beschnuppern. Auch ihre vierjährige Schwester Clara traut sich in den Stall und bald haben beide Kinder neue Lieblingstiere auf dem Hof gefunden – neben der grau getigerten Katze Mimi und ihren drei süßen Babys, mit denen sie am liebsten den ganzen Tag spielen würden. Schon zum dritten Mal verbringen die beiden Berliner Claudia und Robert Hirsch ihre Ferien mit Clara und Helena auf dem Naturbauernhof von Lutz Gierke in der Uckermark.

Und sie werden wohl wiederkommen, solange die beiden Mädchen ihren Spaß am Landleben haben. „Jeder hat hier sein Glück gefunden“, schwärmt Claudia Hirsch. Ihre Kinder waren gleich vernarrt in die Katzen, können auf dem Hof nach Herzenslust herumtollen, beim Füttern helfen oder auch mal auf dem Traktor mit auf die Weide fahren. Weil sie sich um die Kinder nicht sorgen muss, kann Claudia Hirsch auch mal entspannt ein Buch lesen und Ehemann Robert freut sich, wenn er bei der Getreideernte kräftig mit anpacken darf.

Anfang der 1990er Jahre hat Lutz Gierke den früheren Familienbesitz im kleinen Dorf Drense wieder zurückerhalten und kurz danach die erste Ferienwohnung ausgebaut. Damals haben ihn manche Nachbarn noch belächelt. Doch die Gäste kamen und so verwandelte die Familie ihr Anwesen nach und nach in einen richtigen Ferienbauernhof. Sechs große Wohnungen mit 4-Sterne-Standard gibt es dort inzwischen. Überall auf dem großen Gelände ihres Naturbauernhofs finden die Gäste lauschige Plätzchen zum Entspannen oder zum Plaudern, der nächste Badesee liegt fast vor der Haustür. Auch wenn sich Familie Gierke heute vor allem ihren Feriengästen widmet, kommt die Landwirtschaft auf dem 20 Hektar großen Hof nicht zu kurz. Lautstark dirigiert der eitle Hahn „Herr Krüger“ seine Hühnerschar, die den Gästen frische Eier beschert. Entenküken kuscheln im Schatten, Schweine suhlen sich im Schlamm und auf der Weide hinter dem Stall liegen die Kühe träge in der Mittagssonne. Getreide wird für die Versorgung der Tiere angebaut. „Hier riecht es noch richtig nach Bauernhof“, sagt Robert Hirsch. „Nichts ist gestellt. Die Kinder erleben, wie Landwirtschaft funktioniert, wie die Tiere geboren werden, aufwachsen und irgendwann auch sterben.“

Die Kinder finden schnell zusammen, erkunden gemeinsam die vielen Ecken des Hofs. Doch auch die Erwachsenen kommen beim gemeinsamen Grillabend für die neuen Gäste leicht miteinander in Kontakt. Am nächsten Tag fachsimpeln sie schon gemeinsam, ob die Ernte trocken eingefahren wird oder die Kuh wohl heute noch kalben wird. Nicht selten verabreden sich Familien, die sich auf dem Hof kennengelernt haben, dort im nächsten Jahr gemeinsam. Sabine und Viktor Jagomast sind zum ersten Mal in Drense. Mit ihren beiden Enkelkindern und ein wenig Unbehagen reisten sie aus dem Berliner Umland in die Uckermark, denn der zweijährige Elmar ist zum ersten Mal für eine Woche von seinen Eltern getrennt. Doch von Heimweh ist bei ihm genauso wenig zu spüren wie bei seiner fünfjährigen Schwester Elena. Mit seinen blauen Gummistiefeln spaziert er über den Hof, als sei er dort aufgewachsen. Mit breitem Lächeln dreht er seine Runden auf dem Pony, vom Traktor will er erst gar nicht mehr runter. Doch Opa Viktor lockt mit dem Ausflug zum See. „Natürlich haben wir eine große Verantwortung, wenn wir mit unseren Enkeln verreisen“, meint Sabine Jagomast, „aber hier auf dem Hof können wir trotzdem ganz entspannt die Ferien genießen.“ Und so haben auch sie sich schon gleich für nächstes Jahr vormerken lassen.